Strickwut - von Annemarie Winkels
Wir Stricker sind doch alle ein bißchen verrückt,
kaum ist uns ein chicer Pulli geglückt,
ist uns im Kopf schon der nächste parat,
also schreiten wir gleich wieder zur Tat.
Die treue Maschine ist Goldes Wert,
fast mehr noch als der eigene Herd,
denn bei all dem Planen und Rechnen und Messen,
kommen wir ohnehin kaum zum Essen.
Wir wiegen die Wolle, ob sie wohl reicht?
Noch eine zweite Farbe, dann geht es vielleicht.
Was nehme ich nun, lila, grün oder blau?
Fünf weiße habe ich schon, wie wär es mit grau?
Doch auch da gibt's schon drei und sieben in rot,
eigentlich ist an Pullovern gar keine Not.
So wird's halt ein Rock, denn um einen zu kaufen,
muß ich stunden lang in der Stadt rumlaufen.
Aber auch Röcke habe ich in Mengen,
glatt, plissierte, in allen Längen.
Der Schrank quillt schon über,
ebenso der mit Wolle,
und immer gibt es wieder ganz tolle.
Kein Wolleladen ist vor uns sicher,
und laufend kaufen wir Musterbücher.
Im Strickzimmer ist kaum ein Eckchen mehr,
nicht einmal der Fußboden bleibt leer.
Doch "Tür zu", es muß ja keiner seh'n,
es braucht kein Besucher hineinzugeh'n,.
Doch da täuscht Ihr euch, denn alle Gäste
finden dies Chaos von allem das Beste.
Sie bewundern die Pullis, die Jacken und Socken,
und bleiben dann noch drei Stunden hocken.
Und dann, was wollen wir da machen,
stricken wir auch für die ein paar Sachen.
Und sagt nur, was ist denn schon dabei,
sie kriegen alles für'n Appel und Ei.
Und immer emsig wie die Bienen
sitzen wir ständig vor unseren Maschinen,
und stricken und nähen und dämpfen und bügeln,
der Arbeitseifer ist kaum zu zügeln.
Woher kommt nur die Strickwut,
sagt Ihr mir das?
Der Grund ist ganz einfach:
es macht soviel Spaß!